17. Juni 2021

Climate Hack — Runde 2

Markus Sudhoff, Initiator und Gründer von Climate Founders und Carsten Gropp, Partner für M&A und Innovationen bei der Unternehmensberatung FourManagement stellen sich im Vorfeld des zweiten Climate Hacks der Climate Founders (25.–27.06.2021) einem Interview.

 

Zunächst mal ganz kurz – was ist euer Hintergrund? 

Carsten: Ich bin selbst mehrfacher Gründer und konnte sowohl Scheitern als auch erfolgreiche Exists erleben. Nun bin ich als Partner bei der Unternehmensberatung FourManagement für die Themen Innovation und Mergers & Acquisition verantwortlich. Derzeit sind wir als Partner der Climate Hacks dabei. 

Markus: Auch ich habe über einige Jahre hinweg die und Höhen und Tiefen als Gründer kennengelernt. Vor ungefähr 4 Jahren habe ich innerhalb der Gründerszene die Seiten etwas gewechselt und meine Passion darin gefunden Gründer zu coachen und junge Startups im ersten Jahr in die richtige Richtung weiterzuentwickeln. Vor 1,5 Jahren habe ich mich dann entschieden meine Fähigkeiten und mein Netzwerk nur noch für den Kampf gegen den Klimawandel einzusetzen und Climate Founders gegründet. 
 

Wie habt ihr zusammengefunden? 

Markus: Wenn ich mich richtig erinnere, wurden wir von Dennis Zeiler vom Kölner Accelerator Xdeck zusammengeführt. Irgendwie war dann schon im ersten Gespräch schnell klar, dass wir in die gleiche Richtung denken. 

Carsten: Ich beobachte die Start-Up Szene in der Energiewirtschaft sehr lange und intensiv. Viele Themen gelangen derzeit ins öffentliche Interesse über die Klimadiskussion. Für uns ist es spannend, vorne am Puls der Zeit zu schauen, welche Entwicklungen möglich sind und möglicherweise eintreten werden. Markus Ansatz mit Climate Founders halte ich für sehr spannend und zielführend.

 

Was sind die Themen rings um die Nachhaltigkeit bei den Gründern? 

Carsten: Vielfach geht’s um CO2-Vermeidung. Das geht vom Lastenfahrrad-Verleih in Großstädten über Kompensations-Plattformen und Aufforstungs-Themen. Aber auch die Themen nachhaltiges Handeln und Wirtschaften, sowie konkrete Projekte in den Erzeugungsthemen Photovoltaik, Biogas und Windkraft nehmen einen Raum ein. 

Markus: Bei Climate Founders geht es weniger um das Thema Nachhaltigkeit per se, als vielmehr darum total darauf zu fokussieren Treibhausgase einzusparen und in Einzelfällen auch der Atmosphäre zu entziehen. Es gibt eine intensive Diskussion um „Einhörner und Zebras“, sollte man starkem und schnellem Wachstum alles unterordnen, wie es die sogenannten Einhörner tun oder sollte man eher ein kooperatives Unternehmen aufbauen, dass aus eigener Kraft herauswächst und nicht nur Wachstum und Profitmaximierung in den Vordergrund stellt. Aus meiner Sicht können und sollten die sogenannten Einhörner, auf englisch Unicorns, komplett von der Bildfläche verschwinden, allerdings sehe ich in deren risikokapitalgetriebener Wachstumslogik eine große Chance etwas anderes zu bauen: Die Giga- oder Megacorns. Unternehmen die schnellstmöglich mit extrem viel Kapital wachsen um mit ihrer Technologie oder ihrem Geschäftsmodell dazu beitragen eine Mega- oder sogar Gigatonne CO2 pro Jahr einzusparen. Zur Einordnung eine Gigatonne sind etwa 30% der Emissionen Europas, wir reden also über gigantische Veränderungen. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Unternehmen dann automatisch auch zu den finanziell wertvollsten Unternehmen der Welt gehören. Diese Art von Unternehmen zu bauen ist unser Ziel bei Climate Founders. 

Wie nehmt ihr die aktuelle Gründer-Generation wahr? 

Markus: Auf jeden Fall sind die Gründer sehr viel kooperativer, offener und weniger vom großen Exit getrieben als noch vor 5 Jahren. Ich habe diese Veränderung sogar bei mir selbst wahrgenommen. Ich denke, dass die zahlreichen Startup-Ökosysteme und Austauschformate für Gründer diese Entwicklung stark zum positiven beeinflusst haben. Zusätzlich sieht man auch, dass vor allem die jüngere Gründergeneration unter 30 und noch stärker unter 25 sehr stark darauf fokussiert ist etwas Sinnvolles zu erschaffen und rein monetär getriebene Gründungen in dieser Altersklasse immer weniger zu finden sind.  

Carsten: Viele der Gründer sind heute deutlich mehr intrinsisch motiviert als noch vor einigen Jahren. Zur Jahrtausend-Wende, als die Internet-Themen entstanden, sprachen die meisten Start-Ups nur über Traffic, Multiples und IPO. Ohne es generalisieren zu wollen, aber es ging weniger um das Geschäftsmodell als vielmehr einen schnellen Wertzuwachs für einen selbst. Das sieht heute sehr anders aus – viele der Gründer treten wirklich mit dem Ziel an, die Welt etwas besser machen zu wollen. Ich bin zudem immer wieder überrascht über die Kreativität, dem Willen, etwas zu verändern. Andererseits gibt’s aber auch ein großes Maß an Kritikfähigkeit und Bereitschaft, das bisherig entwickelte Geschäfts-Modell zu verändern. Manche Teams haben früh erkannt, auf einem falschen Pfad unterwegs zu sein und haben dann „über Nacht“ ein neues Konzept entwickelt. 

Beim letzten Climate Hack hat mich ein junger Student beeindruckt, der seine Idee offensichtlich aus dem Schlafsaal seiner Universität im Himalaya präsentiert hat – wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht und mit einer mäßigen Internet-Verbindung, dafür mit maximal viel Herzblut – der Gewinner der Herzen sozusagen. 

 

Welches sind die spannendsten Teams, die ihr derzeit betreut? 

Carsten: Da nenne ich das Team von Agriportance, das den Biogas-Handel mittels einer Plattform auf eine neue Stufe heben möchte. Wichtig sind die Themen rings um die Energie-Erzeugung in den Regionen der Welt, die schneller wachsen als wir und dadurch eher im Pro-Kopf Ausstoß von CO2 noch steigen werden. Hier muss der Weg in eine direkte Dekarbonisierung erfolgen ohne den Umweg über fossile Verbrennung. In unseren Regionen sind die Themen der Digitalisierung spannend, also Behind-the-Meter Anwendungen, intelligente Steuerung der Verbraucher, Prosumer-Anwendungen in Kombination mit E‑Mobilität usw. 

Markus: Ich kann da gerne sehr konkret werden und die vier Teams vorstellen, die durch sich im Climate Founders Incubator befinden oder den schon durchlaufen haben: Liefergrün macht durch Lastenfahrräder und Elektrofahrzeuge die letzte Meile in der Paketzustellung CO2-frei, in der normalerweise 70% der CO2-Emissionen passieren. Planted pflanzt für Privatmenschen und Unternehmen Mischwälder in Deutschland. Enervate hilft mit seiner intelligenten Fassadendämmung den riesigen Bestand alter Gebäude CO2-frei zu bekommen und CityVision hilft mit seiner datenbasierten Lösung Städten und Kommunen dabei ihre Klimaschutzmaßnahmen effizient umzusetzen. Was alle diese Teams gemein haben: Man könnte ihre Themen klein denken auf lokaler Ebene denken, sie tun aber genau es Gegenteil mit großen Visionen wollen sie europäischer Marktführer in ihren Märkten und damit mindestens zum Megacorn werden. Diese ambitionierten Gründer sind genau das war unser Planet in diesem Jahrzehnt braucht. 

 

Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren heutzutage? 

Carsten: Aus meiner Sicht sind das drei – das Team – das Team und das Team. Die Kraft einer gemeinsamen Entwicklung einer Idee, der Beleuchtung aus unterschiedlichen persönlichen Perspektiven und das Aufbauen auf die Gedanken des Vorgängers ist durch nichts zu ersetzen. Kapital ist heute dank Crowdfunding und Impact Investments keine wirkliche Einstiegs-Hürde mehr, auch Marktzugänge sind durch Digitalisierung einfacher zu erreichen – da muss die Idee und das Innovative schon außergewöhnlich gut sein und das gelingt nur in einem herausragenden Team. 

Markus: Ich würde da auch aufs Team gehen. Für mich alles entscheidend: Das Growth Mindset. Wir werden in der Schule, Universitäten und großen Organisationen zu einem statischen Selbstbild erzogen: Keine Fehler machen, Lernen nur für gute Noten oder Lob, sich nur in seinen Kernkompetenzen weiterentwickeln und ein geordnetes und vorhersehbares Umfeld zu haben. Wer so ein eine Gründung hineinstartet wird scheitern. Erfolgreich zu Gründen bedeutet sich von diesen Konventionen zu lösen: das Risiko Fehler zu begehen bewusst einzugehen, Grenzen zu sprengen, so viel wie möglich lernen, um sein ständig änderndes Umfeld schnellstmöglich zu verstehen und immer besser zu werden.

 

Was steht als nächstes an? 

Markus: Das ist einfach zu sagen, es ist der nächste Climate Hack vom 25.–27.Juni. Die rein digitale Veranstaltung ist besonders interessant für alle die ein Climatetech Startup gründen wollen, aber noch keine Idee oder kein Team haben. Eine bessere Möglichkeit schnell sehr motivierte und schlaue Mitgründer zu finden gibt es meines Wissens nicht. Außerdem ist das Feedback von sehr erfahrenen Mentoren und Juroren wie zum Beispiel von Carsten unglaublich wertvoll. 

Carsten: Und auch wir stehen wieder mit Rat und Tat zur Seite und freuen uns auch die vielen spannenden Teams  

 
Wir wünschen dabei viel Erfolg und vielen Dank für das Interview! 
 

Mehr zum Climate Hack unter

https://www.climatefounders.com/climate-hack